Die Nordhalle

Die rechteckige Nordhalle (37,40 m x 17,20 m) nimmt eine Oberfläche von 644 Quadratmetern ein und ist durch parallele Zierbänder an den kurzen Seiten in vier verschiedene Bereiche unterteilt. Die Spuren von Säulen auf dem Fußboden lassen an einen dreischiffigen Grundriss denken. Diese Halle ist in der Zeit des Bischofs Theodorus aus der Erweiterung bestehender Räume entstanden, insbesondere an der linken Seite des dritten und vierten Säulenjochs, das Teil eines Saals war, dessen Fußboden bereits mit kostbaren Mosaiken dekoriert war.

Während der Theodoranischen Erweiterung ist das Bodenmosaik vervollständigt worden. Im dritten und vierten Säulenjoch auf der linken Seite ist der bestehende Mosaikboden erhalten und nur leicht aus rituellen Gründen angepasst worden, während er auf der rechten Seite mit dem gleichen geometrischen Gitter vervollständig wurde. Im ersten und zweiten Säulenjoch ist das Gitter komplett neu erstellt worden. In den so zahlreich entstandenen Quadraten haben dekorative Darstellungen von Pflanzen, Tieren und geometrischen Mustern Platz gefunden. Trotz seines Alters ist der Mosaikboden gut erhalten. Leider ist ein Teil mit dem Bau des Kirchturms verloren gegangen.

Die ältesten Mosaiken

Der abwechslungsreiche und außergewöhnliche Aspekt des Bodenmosaiks, mit Fabelwesen, Pflanzen und anderen Objekten, die sich nicht der christlichen Ikonographie zuordnen lassen und deren allegorische Bedeutung Forschern stets als schwer entzifferbar erschienen ist, gemeinsam mit einigen doktrinellen Besonderheiten des Credos von Aquileia, die nicht abendländischen Ursprungs waren, verleiten dazu, nach einer kulturellen Verbindung mit dem Orient zu suchen, und zwar insbesondere mit Alexandria, in Ägypten, zu der die römische Stadt an der Adriaküste regelmäßige Schiffsverbindungen unterhielt.

Die Aufmerksamkeit der ersten Untersuchungen richtete sich auf kosmologische Theorien, die eine Rückkehr der Seele zu ihrem Ursprung vorsahen, von wo aus diese bei der Geburt auf die Erde herabgesunken war. Diese Reise erfolgte an einer Reihe von Planetenhimmeln vorbei. Die theologisch-philosophischen Auffassungen jener Zeit gingen allgemein von sieben Planetenhimmeln aus. Im Bodenmosaik sind nur fünf davon zu sehen und in einer anderen Reihenfolge. Trotzdem gibt es andere Elemente, die nahelegen, dass die Fabelwesen im dritten Säulenjoch der Nordhalle tatsächlich die fünf Planetenhimmel darstellen. Diese Hypothese findet im Kapitel 136 des Traktats „Pistis Sophia“ eine überraschende Bestätigung.