Capitolo

 

Die Gegend um die Piazza Capitolo herum entspricht dem Wohnviertel aus der römischen Stadtanlage: die Ausgrabungen am Platz haben verschiedene Schichten von Mosaikfußböden aus Privathäusern zutage gefördert. Später hat dieses Viertel eine völlig andere Funktion ausgeübt und wurde zum religiösen Zentrum der Stadt, was es auch heute noch ist. Der erste religiöse Bau war ein Saal für den Gottesdienst, der von einer Gruppe von christlichen Gnostikern erbaut wurde und das auch heute noch in der Nordhalle sichtbare Mosaik inspirierte. Zu Beginn des 4. Jahrhunderts veränderte der Bischof Theodorus den gnostischen Saal, indem er ihn in ein Gotteshaus mit zwei parallelen Hallen integrierte. Wenige Jahre später wurden die Bodenmosaike für den Bau einer noch geräumigeren Basilika zugeschüttet, deren Struktur aus zwei parallelen Hallen, einem Baptisterium im Westen und einem Wohngebäude im Norden bestand. Mit Beginn des 6. Jahrhunderts wurde entschieden, nur die Südhalle zu nutzen, die der heutigen Basilika entspricht, und später wurden eine Apsis mit darunterliegender Krypta sowie weitere Gebäude für den Gottesdient erbaut. Eine weitere wichtige Renovierungsmaßnahme des Gotteshauses wurde zu Beginn des 11. Jahrhunderts im Auftrag des Patriarchen Poppo durchgeführt, einem der bedeutendsten für die Geschichte Aquileias. Poppo nahm ein weitreichendes Entsumpfungsprojekt mit einer damit verbundenen Neubesiedlung in Angriff, mit dem Ziel eines neuen wirtschaftlichen Aufschwungs der Gegend. Die Basilika wurde erneut am 13. Juli 1031 geweiht. Bei dieser Gelegenheit überließ Poppo dem Domkapitel mittels einer berühmten Schenkung Güter und Privilegien. Abgesehen vom Landeigentum wurde dem Domkapitel einige Jahre später auch die zivile Gerichtsbarkeit über den eigenen Landbesitz zuerkannt. Im Stadtinneren dehnte sich die Zuständigkeit des Domkapitels auf den östlichen Stadtteil aus (ContrataPala Crucis). Die Pala Crucis liegt parallel zum römischen Straßenkreuz und zur heutigen Via Giulia Augusta. In diesem Viertel befanden sich nicht nur die Basilika, sondern auch die Lagerhallen, die Häuser der Domherren, der öffentliche Backofen des Domkapitels sowie zahlreiche Privathäuser. Der Stadtteil westlich der Pala Crucis, die das gesellschaftliche Zentrum der mittelalterlichen Stadt darstellte, fiel unter die Verwaltung des Podestà der Stadt Aquileia.

 

Das Domkapitel bestand aus 50 Domherren und hatte das Recht, den neuen Patriarchen zu wählen. Außerdem gab es zwei kleinere Domkapitel: Santo Stefano und Santi Felice e Fortunato. Die Kirchen antiken, frühchristlichen Ursprungs waren zahlreich in Aquileia. Zu ihnen gehörten die Basilika des Patriarchen, die große Kirche mit drei Kirchenschiffen „Santi Felice e Fortunato“ südlich der Basilika, jenseits des Natissa; die Kirche des Benediktinerinnenklosters Santa Maria (heute Sitz des frühchristlichen Museums); die im Stadtinneren nahe des nördlichen Stadttors gelegene Kirche der Heiligen Hilarius und Tatjanus; S. Giovanni Evangelista im Osten; S. Stefano im Norden der Stadt, außerhalb der Stadtmauern; S. Martino della Beligna, Kirche des gleichnamigen Klosters, südlich der Stadt; S. Andrea, die dem im Handelszentrum der Stadt gelegenen Viertel seinen Namen gab und später unter dem Namen Sant’Antonio da Padova wiederaufgebaut wurde. Sie steht heute noch in ihrer barocken Form (Via Roma). Im 18. Jahrhundert führten die Ideale der Aufklärung die kaiserlichen Herrscher dazu, ihre Kirchenpolitik radikal zu ändern: Kloster wurden geschlossen und die Anzahl kontemplativer Glaubensgemeinschaften reduziert, um neue Pfarrkirchen und Diözesen zu schaffen. 1752 ordnete der Habsburger Kaiser Joseph II an, dass die Gemeinde von Aquileia sich für eine einzige Kirche zu entscheiden hatte, um diese zur Pfarrkirche zu machen. Die Wahl fiel auf die patriarchische Basilika. Die anderen Kirchen wurden veräußert, um die notwendigen Finanzmittel zur Instandhaltung der Basilika zusammenzutragen, und anschließend anderen Nutzungszwecken überlassen oder abgerissen, um die Baumaterialien neu einzusetzen.