Puartis

 

Bis in die 70er Jahre war die Nationalstraße in dieser Gegend von Privathäusern gesäumt, die schließlich abgerissen wurden, um Platz für die Ausgrabungen des römischen Forums zu schaffen. Die vorherigen Einwohner zogen in einen anderen Stadtteil von Aquileia um und transferierten auch den alten Ortsnamen, lis Puartis, der heute also eine andere Wohngegend bezeichnet, aber ursprünglich der Name dieses Viertels war.

 

 

 

Der friaulanische Ortsname lis Puartis (die Tore) bezieht sich auf die mittelalterliche Stadtstruktur, die hier das nördliche Tor der Festungsmauern hatte. In der Römischen Antike befand sich das gesellschaftliche Stadtzentrum in diesem Viertel, was durch die Ausgrabungen des antiken Gerichtsgebäudes belegt ist, während die Stadtmauer sich etwa 500 m weiter nördlich befand. Infolge der schrecklichen Erfahrung mit die Besetzung durch Attila im Jahr 452 beschloss die Stadt, sich vor weiteren Überfällen durch die Verstärkung der Stadtmauern zu schützen. Inzwischen war jedoch ein Teil der Bevölkerung nach Grado umgezogen. Dieser Bevölkerungsschwund zog eine Verkleinerung des Stadtgebiets nach sich, das sich auf das Viertel um die Kathedrale herum konzentrierte, die mittlerweile zum neuen Bezugspunkt für die Stadtgemeinschaft geworden war. Der neue Stadtmauergürtel, der den Kai im Osten mit den Mauern im Westen verband, hatte deshalb eine geringere Dimension und lag weiter südlich. Das Forum, die Arena, der Hafen, der Aquädukt und alle römischen Gebäude, die sich nördlich der neuen Stadtmauern befanden, wurden ihrem Schicksal überlassen, und die Baumaterialien später in neuen Bauten wiedereingesetzt. Im Laufe der Jahrhunderte verursachte die Aufgabe dieses Gebietes den Höhenunterschied zwischen dem Stadtzentrum und dem umliegenden Land, der auch heute noch gut sichtbar ist.

 

Das nördliche, mittelalterliche Tor, das wichtigste der Stadt, erhielt im Laufe der Zeit unterschiedliche Namen: porta Glemoni,porta Utinae, porta Omnium Sanctorum, porta Ospitale. In dieser Gegend befand sich die frühchristliche Kirche, die den Heiligen Hilarius und Tatjanus gewidmet war. Die achteckige Kirche wurde Ende des 4. Jahrhunderts erbaut, und zwar über dem „cardo maximus“ der römischen Stadtanlage, und benutzte deshalb das Straßenpflaster als Fußboden. Die Kirche wurde 1799 infolge der vom habsburgischen Kaiser Joseph beschlossenen Schließung religiöser Orden abgerissen. Gegenüber der Kirche wurde im Mittelalter eine Herberge eingerichtet, die als Pio Hospitale di tutti li Santi (Herberge für Gläubige aller Heiligen) oder Hospitale SS. Elari e Tatiani bekannt war und wo Pilger und Reisende vorübergehend Unterkunft und Essen finden konnten.

 

 

Das große Mausoleum

Die 17 Meter hohe Grabstätte stammt aus dem Beginn des ersten Jahrhunderts. Sie wurde 1955 weniger Kilometer außerhalb der Stadt, entlang der Via Gemina, entdeckt, teilweise rekonstruiert und an den Ort verlegt, wo sie heute zu besichtigen ist. Die heutige Position ist also nicht ihr ursprünglicher Platz, noch hätte sie es sein können, da sich dieses Stadtviertel früher innerhalb der Stadtmauern befand, während das Römische Recht vorschrieb, dass Grabstätten außerhalb der Stadtmauern anzusiedeln waren.