Place Garibaldi

Aus topografischer Sicht ist die contrata S. Andreae (die heutige Via Roma) eine der wichtigsten Arterien sowie eines der lebendigsten und am dichtesten bewohnten Stadtgebiete während des späten Mittelalters gewesen: Hier finden wir außer der dem ersten Apostel geweihten Kirche (mit dazugehörigem Friedhof), die der Straße den Namen gab, auf beiden Seiten zahlreiche Schuster (contrata de Caligareciis), Maurer, Schmiede, Hufschmiede und andere Handwerker, Wohnhäuser von Familien aus der mittleren und oberen Einkommensschicht sowie die Gebäude der Münzprägestätte (domus Monete), das Gefängnis (Vincula), die Häuser einiger mansionarii und zwei Häuser, die den Minderbrüdern aus Cividale gehörten.

 

Die Via di Sant'Andrea (Straße des Heiligen Andreas) begann am Stadttor (porta de Faytiula) an der Kreuzung zwischen via Dante und Roggia del Mulino und verlief Richtung Osten, parallel zur südlichen Stadtmauer entlang des Natissa, und schuf eine direkte Verbindung zum politisch-wirtschaftlichen Stadtzentrum, dem Forum Civitatis Aquileiae oder auch Platea Comunis. Die piazza del Comune (Rathausplatz) bestand aus einem weiträumigen Platz, auf den die Repräsentativbauten der Stadtverwaltung hinausgingen: der Palacium Comunis oder auch Publicum, was Rathausplatz bedeutet, und die Lobia Comunitatis (Stadtloggia); die statio Comunis, die panataria Comunis (Gemeindebäckerei), die staria Comunis (Aufbewahrungsstelle der Eichgewichte und -maße), zahlreiche stationes (Geschäfte), einschließlich der statio apotecarie (Apotheke) sowie die Piscaria (Fischhändler), die sich nahem dem Flussufer an der gleichnamigen Brücke vor dem heutigen Rathaus befand.

 

Auf der Südseite des Natissa, entlang des Flusses, befanden sich im Mittelalter eine Reihe von Häusern, die zwischen den Verteidigungsmauern und dem Stadtgraben lagen. Hier stand auch die San Antonio Abate geweihte Kirche, zu der man über die gleichnamige Brücke kurz vor dem Stadttor (Porta Faytiula) gelangte. Der Wasserweg nach Aquileia wurde hier nachts durch eine schwere Eisenkette unterbrochen, die zwischen den beiden Ufern hing, um den Booten den Zugang ins Stadtinnere zu verweigern.

 

Nach dem Fall des Patriarchats (1421) versumpfte dieses Gelände südlich des Natissa (palût dal Rosari, Palût di Sant Antoni) und wurde erst Mitte des 18. Jahrhunderts im Auftrag der österreichischen Kaiserin Maria Teresa zur Landrückgewinnung trockengelegt. Später wurde entlang des stadtnahen Flussabschnitts eine Handelsanlegestelle gebaut (1830), die nachfolgend auch touristisch genutzt wurde.

 

Vor dem heutigen Rathaus, auf der anderen Seite der Brücke, lag das alte Rathaus, das abgerissen wurde, um dem Corso Gramsci Platz zu machen, der zum neuen Wohnviertel von Aquileia führt.

 

Um die Jahrhundertwende reisten Besucher vor allem aus Grado vom Meer an und fanden hier Unterkunft und Mahlzeiten in den verschiedenen Hotels und den Lokalen, die sich nahe der Anlegestelle befanden.

 

In dieser Stadtgegend gibt es zahlreiche Bauten aus der Römischen Antike. Die Ausgrabungen des 19. Jahrhunderts und der Folgejahrzehnte haben die doppelte Verteidigungslinie parallel zum Natissa freigelegt, die kurz vor dem Rathaus nach Norden abbog und im Osten einige der wichtigsten öffentlichen Gebäude aus der Römischen Antike berührte, wie das Amphitheater, die großem Thermen, die Arena; einen weitläufigen öffentlichen Gebäudekomplex, dessen Funktion möglicherweise wirtschaftlicher Natur war (unter der Grünfläche des Corso Gramsci) sowie ein Gelände mit einer ganzen Reihe von Gebäuden, die zunächst für Thermen gehalten worden sind, aber seit Neuestem für Wohnhäuser aus der Römischen Kaiserzeit gehalten werden.