Monastero

Der Ortsteil Monastero (in Furlan: Munistîr) ist einer der ältesten von Aquileia. Sein Name enthält einen klaren Bezug zum Benediktinerinnenkloster Santa Maria, das sich jahrhundertelang im Zentrum der urbanen Struktur und des gesellschaftlichen Lebens befand.

 

Es handelt sich um eines der wohlhabendsten Klöster des Heiligen Römischen Reiches: dank unterschiedlicher Schenkungen vonseiten der Patriarchen, angefangen von Johannes IV (948-1019), hatte es Reichtümer und ausgedehntes Landeigentum, das vom Friaul bis nach Istrien reichte,  zusammengetragen. 5.000 Einwohner hingen vom Kloster ab, vor allem Siedlerfamilien, die das Land bewirtschafteten und dem Kloster Nahrungsressourcen, Pachteinnahmen und unterschiedliche Dienstleistungen garantierten. Nach 1420, als die Republik von Venedig einen Großteil des Friauls besetzt hatte und so das Ende der vorübergehenden Macht des Patriarchats von Aquileia bestimmte, fand sich das Kloster Santa Maria zu Aquileia in der Situation wieder, Landeigentum in zwei unterschiedlichen Staaten verwalten zu müssen: Viele seiner Besitztümer standen unter venezianischer Herrschaft, während Aquileia und die Abtei selbst unter der Herrschaft des Habsburgischen Kaisers verblieben waren. 1782 beschloss Kaiser Joseph II im Rahmen eines weitreichenden Reformprozesses, der durch die Ideale der Aufklärung inspiriert war und die kontemplativen Ordensgemeinschaften schwer traf, die Schließung des Klosters.

 

Das Kloster befand sich zwischen zwei Quellwasserflüssen: Pantanosa (oder: Mühlengraben des Klosters) im Osten und Natissa (oder: Mühlengraben von Aquileia) im Westen. Der Bau ragte außerhalb der mittelalterlichen Stadtmauern auf und wurde deshalb in den Dokumenten häufig als extra muros beschrieben. Von Aquileia gelangte man zum Kloster über die Contrata Sancti Alexandri, einer Straße, die anschließend zur Levata wurde. Im Flachland des Friaul war dies die Bezeichnung von Wegen, die auf den Deich angehoben wurden, um sie vor Überschwemmungen und Versumpfung zu schützen.

 

Das Ackerland von Aquileia war aufgrund von hydrogeologischen Störungen infolge des Niedergangs des Römischen Reiches und aufgrund von natürlichen Faktoren von ungesunden Sumpfgebieten umgeben und malariaverseucht. Den Nonnen war es gelungen, aus gesundheitlichen Gründen eine Ausnahmeregelung für die starre Benediktinerklausur zu erwirken, die es ihnen ermöglichte, den Sommer im Kloster Santa Chiara in Cividale zu verbringen, das 1429 mit dem Kloster Santa Maria zusammengelegt worden war. Die Rückgewinnung des Gebiets begann im Laufe des 18. Jahrhunderts, zum Teil dank staatlicher Eingriffe, wie im Fall der von Kaiserin Maria Theresa veranlassten Trockenlegungen, zum Teil dank privater Initiativen der Großgrundbesitzer.

 

Der älteste Kern der Abtei besteht aus einer frühchristlichen Basilika aus dem 4. Jahrhundert, die von Attila 452 in Brand gesetzt und beschädigt wurde. Später wurde sie restauriert und zur Kirche der Benediktinerabtei sowie der örtlichen Gemeinschaft. Im Laufe der Zeit wurden der Kirche weitere Gebäude zur Beherbergung der Nonnen, Besucher und Pilger sowie zur landwirtschaftlichen Nutzung hinzugefügt. Eine wichtige Restaurierung fand Ende des 17. Jahrhunderts statt: Einige Architrav-Steine, die dieses Datum ragen, sind heute noch sichtbar. Nach der Schließung des Klosters im Jahr 1782 wurde der gesamte Gebäudekomplex an Privateigentümer verkauft, die die Originalstruktur im Laufe der Zeit durch unterschiedliche Baumaßnahmen komplett veränderten. Der erste Privateigentümer war Graf von Thurn-Hofer, Schlossherr von Duino. Drei Jahre später wurde es zur Residenz und zum Sitz des landwirtschaftlichen Betriebes von Antonio Cassis Faraone: Die Seitengebäude des Kreuzgangs wurden abgerissen, der nördliche Teil wurde zum Haupthaus und der südliche Teil, der ursprünglich die Kirche und das Kloster beherbergt hatte, wurde zum Weinkeller (foladôr). Die imposante Umstrukturierung des Ackerlands verwandelte auch die Umgebung und führte zur Abholzung des Grant Bosc (großer Wald) nördlich des Klosters. Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Land und Gebäude an die Familie Ritter de Zahony verkauft, die auch heute noch hier lebt. 1960 kaufte der Staat den foladôr neben der Kirche auf und verwandelte ihn in den Sitz des frühchristlichen Museums.