Das Gebiet in Stichworten

Die Umgebung von Aquileia kann beschrieben werden, indem man dem Flussverlauf des Natissa folgt, dem Quellwasserfluss, der die Stadt umgibt.
Die Erzählung beginnt bei Roncs, einem Territorium, das heutzutage Teil der Kommune von Terzo di Aquileia ist. Das Wasser trat über Süßwasserblasen (boiòns) ans Licht, deren Spuren noch heute sichtbar sind. Heute liegt der Ausgangspunkt des Natissa jenseits von Roncs, aber dabei handelt es sich um eine relativ neue Entwicklung, die auf die Sumpftrockenlegung zurückgeht. Wenn man zum Beispiel alte Drucke betrachtet, ist klar zu erkennen, dass der Natissa seinen Ursprung früher an diesem Ort hatte, inmitten eines Dickichts, das Anfang des 19. Jahrhunderts zur intensiven landwirtschaftlichen Nutzung abgeholzt wurde. Die Wälder und Quellen stellten ein Problem dar, das nur durch die komplette Abholzung des Gebiets und dessen Flurbereinigung zu lösen war, die auch den Verlauf der Bewässerungsgräben und der Kanäle veränderte. In diesem Gebiet enden auch heute noch unterschiedliche Wasserstraßen, und andere nehmen ihren Anfang, wie der Aussèt oder der Marignùl, in der Antike als „Malignum flumen“ bekannt.

Hinter Roncs durchquert der Natissa die Paludèi, ein tiefgelegenes Flachland mit einem Reichtum an archäologischen Überresten aus der römischen Antike, um schließlich im Ortsteil Monastero anzukommen, wo ein antikes, weibliches Klausurkloster aufragte, das 1782 vom österreichischen Kaiser Joseph II geschlossen wurde.
Wenn man die Ortschaft verlässt, nähert sich der Natissa dem römischen Hafenkai. Nahe der Basilika befindet sich ein weiterer Wassergraben (der Mühlengraben des Klosters), der nach Westen und ins Ortszentrum führt, wo er unter dem Bogen von San Felice durchfließt, einem Überbleibsel der mittelalterlichen Mauern.    
Der Strom fließt dann unter zwei Brücken durch: Punt dal Crist, auf der eine Straße nach Grado führt, und Punt di Plassa auf der Piazza Garibaldi, vor dem Rathaus.

Nachdem der Natissa die Stadtgrenzen hinter sich gelassen hat, erreicht er die Durìda, wo er auf den Terzo stößt, der unter der Brücke Ponte delle Vergini hindurchfließt. Hier vermischt sich das Süßwasser mit bereits einströmendem Salzwasser und fließt weiter Richtung Süden, östlich an den Äckern von Malburga vorbei und westlich am Marassìn vorbei.
Entlang dieses Flussabschnitts, kurz hinter der Bootanlegestelle, sind noch die Abwasserkanäle der Sumpftrockenlegung aus dem 18. Jahrhundert zu sehen: Das Meer ist nicht mehr weit entfernt, und Gottseidank sind der Fluss und das Meeresdelta von Deichen gesäumt, da das Ackerland unter dem Meeresspiegel liegt.
Der Natissa fließt an den Ortschaften Panigài (rechtes Flussufer) und Montonus (linkes Flussufer) vorbei, bevor er in die Lagune mündet. Hier kann man in nicht allzu weiter Ferne den Pinienwald von S.Marco sehen, wo seit Jahrhunderten eine Kapelle steht, die an die Legende von Aquileia erinnert, der zufolge der Apostel Markus, aus Alexandria in Ägypten ankommend, genau hier mit seinem Boot anlegte, um in der Hauptstadt der zehnten Region des Römischen Reiches, Venetien und Istrien, die Frohe Botschaft zu verkünden.