Die Geschichte im Überblick

Die kürzlich gemachten geoarchäologischen Entdeckungen haben an den Ufern eines für die Römer wichtigen Flusses eine ausgedehnte frühgeschichtliche Siedlung ans Tageslicht gebracht (9. Jh. v. Chr.). Im 2. Jh. v. Chr. haben die Römer diesen Fluss umgeleitet und schiffbar gemacht und so den Weg für einen der wichtigsten Häfen der Epoche freigemacht.
Mit der Gründung der römischen Kolonie im Jahr 181 v. Chr. werden alle vorherigen Siedlungen abgerissen, um Platz für eine große Umstrukturierung der landwirtschaftlichen Nutzflächen sowie des Wege- und Flussnetzes zu schaffen, die eine Befestigung der neuen Stadt Aquileia zum Ziel hatte und der Planung und Parzellierung des Landes in der Umgebung von Aquileia diente.
Auf der Peutingerschen Tafel ist Aquileia als gut verteidigte Stadt abgebildet, mit Türmen und imposanten Stadtmauern sowie verschiedenen Straßen, die sie mit Italien und Mitteleuropa verbinden (Via Annia, Via Postumia, Via Gemina etc.), und liegt in der Nähe der Adriaküste.
Die viereckige Struktur rechts von Aquileia stellt das römische Thermalbad am Fluss Timavo dar, der zwischen Aquileia und Triest (Tergeste) fließt. Bis zur ersten Hälfte des 4. Jh. berührten die Ufer der Flüsse Isonzo, Torre und Natisone den östlichen Stadtteil von Aquileia, wo mithilfe imposanter hydraulischer Infrastrukturen das große Hafenbecken der Römischen Antike entsteht (48 Meter breit und mehr als 400 Meter lang), das aus Aquileia eine blühende und wohlhabende Stadt macht, die sich zwischen Mailand, Capua und Pompei einreiht. Aquileia wird zur Hauptstadt der zehnten Region des Römischen Reiches: Venetien und Istrien.
Alle Verbindungsstraßen, die von Aquileia ausgingen, wurden durch angemessene Türme und Wachposten verteidigt: Richtung Süden erreichte man den Seehafen Grado; im Westen lagen die Via Annia und Via Postumia, die Aquileia mit den anderen Regionen Italiens verbanden; im Norden führte die Straße nach Cividale (Forum Iulii) oder Noricum (heutiges Österreich, Bayern etc.); während man Richtung Osten nach Triest gelangte (Tergeste) oder entlang des Isonzo nach Görz (Gorizia) und weiter nach Ljubljana.
Die Epoche der größten Pracht Aquileias stellte das vierte Jahrhundert dar, das sich auch religiös im Bau der ersten großen Basilika durch den Bischof Theodorus niederschlägt.
Aquileia, militärisches, wirtschaftliches und religiöses Zentrum, wurde zu einer der wichtigsten Städte des Römischen Reiches nach Rom, Antiochia, Alexandria, Mailand und Pompei.
Die jahrhundertelange herausragende Bedeutung wurde durch die Invasion der Hunnen im Jahr 452 zunichte gemacht. Über Aquileia in der Zeit zwischen dem 6. und 8. Jahrhundert wissen wir nur sehr wenig. Nach der hunnischen Invasion bleibt lediglich die Hälfte der Stadt bestehen. Der nördliche Stadtteil wird nur noch als Lagerfläche für kostbares Baumaterial genutzt.
Im Jahr 568 erobern die Langobarden das Friaul und verlegen die Hauptstadt ihres ersten Herzogtums nach Cividale: Aquileia liegt zu nah bei Grado und an der Adriaküste, einem Territorium, das mittlerweile der Herrschaft von Ravenna untersteht. Grado wird zum Bischofssitz in klarem Kontrast zu Aquileia.
In der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts verfolgen die Franken, die auf die Langobarden folgen, eine Politik des religiösen Wiederaufbaus, bei der der Patriarch Paolinus von Aquileia (787 - 802) eine sehr wichtige Rolle für die friaulanische Stadt bei der Neufestlegung der Grenzen der Diözese von Aquileia spielt. Doch wird es erst in der Zeit des Patriarchen Massenzius (Anfang des 9. Jh.) zu einer politischen, wirtschaftlichen und religiösen Wiedergeburt von Aquileia kommen, auch dank der großzügigen Landschenkungen vonseiten des Kaisers. Diese neue Entwicklung wird durch wiederholte Überfälle der Ungarn, die das mittlere Friaul zerstören und entvölkern, am Ende des 9. Jahrhunderts jäh unterbrochen.
Die Wiedergeburt Aquileias wird mit dem Patriarchen Poppo zur Wirklichkeit, einem Minister unter Konrad II (am Anfang des 11. Jh.): Die Verteidigungsmauern, die Straßen, Kirchen sowie der Binnenwasserhafen werden wiederaufgebaut. Aquileia wird zum aristokratischen Zentrum des Friaul. Neben der wiederaufgebauten und verschönerten Basilika errichtet der Patriarch seine Residenz, den Bischofspalast. Im Jahr 1077 überlässt Heinrich IV dem Patriarchen Sieghard das gesamte Friaul als Feudallehen: Auf diese Weise wird der patriarchische Staat als politisch-militärisches Reich geboren.
Außerhalb der Stadtmauern, im Nordosten, erstarkt das Benediktinerinnenkloster, das wahrscheinlich frühchristlichen Ursprungs ist und bis zum Ende des 18. Jahrhunderts bestehen bleibt, während ein anderes, männliches Benediktinerkloster, San Martino della Beligna, sich südlich von Aquileia entwickelt und Mitte des 15. Jahrhunderts geschlossen wird, da Venedig das gesamte Friaul besetzt und das Ende des patriarchischen Staates herbeiführt.
Es ist interessant zu wissen, dass Aquileia im Mittelalter in drei Jurisdiktionen aufgeteilt war: der Norden unterstand der Äbtissin des Benediktinerinnenklosters, der Westen mit dem Gemeindesitz, der vom Podestà geleitet wurde, und der Osten, auch „Pala Crucis“ oder „Pala de Crôs“ genannt, wo der Patriarch die Gerichtsbarkeit ausübte (Domkapitel). Alle drei historischen Marktflecken verfügten über eine eigene Pfarrkirche. Am Ende des 18. Jahrhunderts musste sich die Gemeinde von Aquileia infolge eines Edikts vom österreichischen Kaiser Joseph II für eine einzige Kirche entscheiden und wählte die aktuelle.
Mit dem Ende des Patriarchalstaates (1421) übernahm Venedig die Herrschaft über das Friaul, während Aquileia, S. Daniele und San Vito al Tagliamento weiterhin zum österreichischen Kaiserreich gehörten. Aquileia blieb in österreichischem Besitz bis zum Ende des Ersten Weltkriegs.
Aber trotz der Tatsache, dass Aquileia zur Österreich gehörte, stand die Nominierung des Patriarchen Venedig zu. Eine Konfliktsituation, die der Papst 1751 auf salomonische Art und Weise löste, indem er die antike Diözese von Aquileia auflöste und zwei neue Erzdiözesen gründete: Görz, für das friaulanisch-österreichische Gebiet, und Udine, für das Venedig unterstehende Gebiet.
Auch die patriarchalischen Schätze und Reliquien wurden Aquileia entzogen und unter den beiden neuen kirchlichen Körperschaften aufgeteilt.
Aquileia wurde so seinem Schicksal überlassen, und die Versumpfung des Gebietes, ein überzogener Großgrundbesitz und die Armut erledigten den Rest für das gesamte 18. und 19. Jahrhundert. Die österreichischen Herrscher versuchten auf unterschiedliche Weise Aquileia wiederzubeleben: erst durch eine Reihe von Trockenlegungen der Sümpfe (unter Kaiserin Maria Theresa, 18. Jh.), später durch den Neubau eines Binnenhafens am Natissa (Mitte des 19. Jh.). Aber ohne Ergebnis: Viele Einwohner von Aquileia verließen die Stadt auf der Suche nach einem besseren Leben, auch in der neuen Welt.
Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs verschlimmerte die soziale und wirtschaftliche Situation der Stadt, die direkt an der Frontlinie auf österreichischem Gebiet lag und von „Kaiserreich-Anhängern“ bewohnt war, die es auf jede nur mögliche Weise zu italianisieren galt.
Der Friedhof in Aquileia, der sich jahrhundertelang um die Basilika herum ausgedehnt hatte, wurde an einen anderen Ort verlegt, um einem italienische Kriegsfriedhof Platz zu machen. Genau in dieser historischen Phase der Schlacht von Karfreit und des späteren Sieges der Italiener wurde das Bodenmosaik aus der Zeit von Theodorus (4. Jh.) zutage gefördert.
Das herrliche Fußbodenmosaik der heutigen Basilika stammt aus der ersten Kirche von Theodorus (Anfang des 4. Jh.) und kam zum Ende des Ersten Weltkriegs zum Vorschein. Bis zu jenem Zeitpunkt war der Boden der Kirche mit rosafarbenen und weißen Stein gepflastert, die über den älteren Schichten lagen. Die Österreicher begannen mit der Entfernung des steinernen Bodenbelags, und das italienische Heer fuhr mit den Ausgrabungen fort und legte das farbige Mosaik frei, das wir heute bewundern können.
Erst nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs veränderte sich die soziale und wirtschaftliche Situation Aquileias. Neue Häuser, neue Arbeitsplätze, eine weiter verbreitete Schulbildung waren die Voraussetzung, um die aktuelle Situation zu erreichen: ein historisch-archäologisch bedeutendes und international bekanntes Stadtzentrum, eine moderne Urbanisierung, die es weiter zu entwickeln gilt, insbesondere für den Tourismus; eine landwirtschaftliche und vor allem eine Weinproduktion von hoher Qualität. Aquileia ist heute mit dem Meer über den schiffbaren Fluss Natissa verbunden und weist ein kostbares landschaftliches und kulturelles Erbe auf. In seiner Umgebung stellen sich Auwälder, Bewässerungsgräben mit Quellwasser und die majestätische Lagune zur Schau.